Bei 30 Grad Außentemperatur werden im Laderaum eines Lieferwagens über 60 Grad gemessen. Schon 23 Grad draußen reichen für mehr als 50 Grad im Frachtraum. Das erklärt einen Teil dessen, was im Juli und August schiefgeht - aber nur einen. Die längeren Laufzeiten im Sommer entstehen aus einer Kombination, die sich jedes Jahr wiederholt: dünnere Personaldecke, Fahrverbote auf den Hauptrouten und Hitze, die Menschen wie Ware zusetzt.
Warum ausgerechnet im Sommer weniger geht
Das Sendungsaufkommen ist im Sommer niedriger als vor Weihnachten - trotzdem dauert die Zustellung oft länger. Der Grund liegt auf der Personalseite. Vor Weihnachten stocken die Zusteller massiv auf, weil die Mengenspitze planbar ist. Im Sommer passiert das Gegenteil: Die Stammbelegschaft geht selbst in Urlaub, und zusätzliches Personal wird für diese Monate in der Regel nicht eingestellt. Eine Tour, die zwei Zusteller bräuchte, fährt dann einer - und was er nicht schafft, rutscht auf den nächsten Tag.
Dazu kommt der Effekt auf der Empfängerseite: Wer verreist ist, nimmt kein Paket an. Aus einer Zustellung werden zwei oder drei Versuche, und jeder davon belegt Kapazität, die anderen Sendungen fehlt.
Die Sommerferien 2026 im Ferienkorridor
Die Bundesländer staffeln ihre Ferien innerhalb eines Korridors von 94 Tagen, damit sich der Reiseverkehr verteilt. Das prägt auch die Zustellung, weil die Urlaubswellen zeitversetzt anrollen und mit ihnen die Staus auf den Transitachsen.
| Bundesländer | Sommerferien 2026 |
|---|---|
| Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland | 29.6. bis 7.8. |
| Bremen, Niedersachsen | 2.7. bis 12.8. |
| Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | 4.7. bis 14.8. |
| Schleswig-Holstein | 4.7. bis 15.8. |
| Berlin, Brandenburg, Hamburg | 9.7. bis 19./22.8. |
| Mecklenburg-Vorpommern | 13.7. bis 22.8. |
| Nordrhein-Westfalen | 20.7. bis 1.9. |
| Baden-Württemberg | 30.7. bis 12.9. |
| Bayern | 3.8. bis 14.9. |
Die kritischen Tage sind die Überschneidungen. Anfang August liegen die Ferien aller Länder für einige Tage gleichzeitig - Bayern startet am 3. August, während Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland noch bis zum 7. August frei haben. Der ADAC warnt außerdem für den Start Nordrhein-Westfalens am 20. Juli vor erheblichen Verkehrsbehinderungen, weil dort die meisten Menschen gleichzeitig losfahren. Ein Paket trifft also auf völlig unterschiedliche Bedingungen, wenn es in den Ferien verschickt wird - je nachdem, welches Bundesland gerade startet und welche Achse dadurch zur Engstelle wird.
Das Ferienfahrverbot: der unterschätzte Faktor
Pakete fahren auf denselben Straßen wie Urlauber, und im Sommer wird der Lkw-Verkehr dort gezielt ausgebremst. Die Ferienreiseverordnung gilt an allen Samstagen zwischen 1. Juli und 31. August, jeweils von 7 bis 20 Uhr, für Lkw über 7,5 Tonnen und Lkw mit Anhänger. Betroffen sind die Hauptachsen A1, A3, A5, A6, A7, A8 und A9 sowie bestimmte Bundesstraßen.
Dazu kommt das reguläre Sonn- und Feiertagsfahrverbot. In der Summe steht der Fernverkehr an einem Sommerwochenende auf den wichtigsten Strecken faktisch von Samstagmorgen bis Sonntagnacht.
Was das praktisch bedeutet
Eine Sendung, die am Freitagnachmittag aufgegeben wird, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit bis Montag. Sie erreicht das Verteilzentrum am Freitagabend, und der Weitertransport fällt genau in das Zeitfenster, in dem die Hauptrouten gesperrt sind. Wer im Sommer Zeitdruck hat, gibt besser bis Donnerstag auf.
Was die Hitze mit dem Inhalt macht
Über 60 Grad im Laderaum sind an einem heißen Julitag kein Randfall, sondern Normalzustand - und das über Stunden, weil der Wagen bei jeder Zustellung in der Sonne steht. Betroffen sind mehr Waren, als man denkt:
- Schokolade und Lebensmittel - der offensichtliche Fall. Was einmal geschmolzen und wieder fest geworden ist, kommt nicht in verkaufsfähigem Zustand an.
- Kosmetik ohne Konservierung - Emulsionen können kippen, die Haltbarkeit leidet, auch wenn man dem Produkt nichts ansieht.
- Elektronik und Akkus - Dauerhitze belastet Lithium-Zellen, im Extremfall ist es ein Sicherheitsrisiko.
- Das Klebeband selbst - günstiges Paketband verliert ab etwa 70 Grad den Halt. Wenn ein Karton unterwegs aufgeht, war oft nicht der Zusteller schuld, sondern die Verpackung.
Hitzeempfindliches nur von Montag bis Donnerstag versenden
Der wirksamste Einzelratschlag für den Sommer. Was am Freitag aufgegeben wird, liegt im ungünstigen Fall das ganze Wochenende in einem aufgeheizten Depot, ohne dass sich etwas bewegt. Wer Montag bis Donnerstag aufgibt, hält die Sendung in Bewegung. Dazu: hochwertiges Klebeband nehmen, das Hitze aushält, und bei wirklich empfindlicher Ware isolierte Verpackung mit Kühlakku - die Kombination hält je nach Aufbau bis zu 48 Stunden.
Hitzeschutz für Zusteller
DHL stattet Zustellkräfte bei Hitzewellen mit Cool-Boxen aus, in denen unter anderem ein mit Wasser aktivierbarer Pulskühler, ein wiederverwendbares Kühltuch und ein Nackenschutz gegen UV-Strahlung stecken. Dazu kommt Betriebskleidung wie Langarmshirts zum Sonnenschutz. Das Unternehmen hat wiederholt eingeräumt, dass extreme Hitze zu Rückständen und damit zu längeren Laufzeiten führt, und dabei auf den Vorrang der Beschäftigtengesundheit verwiesen.
Rechtlich ist die Lage für die Zustellung dünner, als viele annehmen. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 mit ihren bekannten Schwellen ab 26 Grad gilt für Arbeitsräume - also für Verteilzentren und Sortierhallen, nicht für die Tour im Freien. Für die Arbeit auf der Straße gibt es keine feste Temperaturgrenze, ab der eingestellt werden müsste. Wenn eine Tour bei extremer Hitze früher endet oder Pausen länger ausfallen, ist das also keine Nachlässigkeit, sondern Fürsorgepflicht. Die Sendung kommt dann am nächsten Tag.
Was Sie als Empfänger tun können
- 1An eine Packstation liefern lassen - rund um die Uhr zugänglich, kein erfolgloser Zustellversuch, und die Sendung liegt nicht mehrfach im heißen Wagen. Welche Abholorte es gibt und welche Fristen dort gelten, steht im Beitrag zu Paketshop und Packstation.
- 2Vor dem Urlaub den Lagerservice aktivieren - die meisten Anbieter halten Sendungen auf Wunsch zurück. Das ist besser, als sie erfolglos zustellen zu lassen. Achten Sie dabei auf die Abholfristen: Sieben Kalendertage an der Packstation überstehen keine zweiwöchige Reise.
- 3Abstellgenehmigungen im Sommer überdenken - ein Platz, der im November praktisch ist, liegt im August stundenlang in der prallen Sonne. Und wer den Ablageort freigibt, trägt das Risiko.
- 4Bei Verspätung nicht sofort reklamieren - im Sommer sind ein bis zwei Tage über der angegebenen Laufzeit normal. Erst wenn sich der Sendungsstatus mehrere Tage nicht bewegt, lohnt der Nachforschungsauftrag, wie ihn der Beitrag zu verlorenen und beschädigten Paketen beschreibt.
Ein realistischer Zeitpuffer ist im Juli und August die einfachste Vorsorge: Wer eine Sendung zu einem bestimmten Termin braucht, plant zwei Tage mehr ein als im Frühjahr. Wo eine Sendung gerade steckt, klärt die Paketverfolgung, und welcher Anbieter die kürzeste Laufzeit zum besten Preis bietet, zeigt der Tarifrechner.