Nachhaltige Logistik beim Versand von Paketen

DHL ersetzt GoGreen zum 1. September durch GoGreen Plus – warum die EU-Regeln Kompensation beenden und wo die Emissionen eines Pakets wirklich entstehen.

Am 31. August 2026 stellt DHL das Produkt GoGreen ein. Ab 1. September tritt GoGreen Plus an seine Stelle - und der Unterschied ist grundsätzlich: GoGreen glich Emissionen über externe Klimaschutzprojekte aus, GoGreen Plus senkt sie im eigenen Netz. Ausgelöst hat den Wechsel keine Marketingentscheidung, sondern eine EU-Regel, die ab demselben Monat gilt. Sie verändert, was Zusteller künftig überhaupt behaupten dürfen.

Warum Kompensation nicht mehr reicht

Die EU-Richtlinie 2024/825, meist EmpCo-Richtlinie genannt, wird ab dem 27. September 2026 verbindlich; in Deutschland über die dritte Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Der Kern: Aussagen wie „klimaneutral“ sind unzulässig, wenn sie ausschließlich durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten zustande kommen. Zulässig bleiben klimabezogene Aussagen, die auf tatsächlichen Minderungen in der eigenen Wertschöpfungskette beruhen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.

Für einen Paketdienst, dessen Umweltprodukt auf Ausgleichszahlungen aufgebaut war, ist das ein Umbau des Geschäftsmodells, keine Formulierungsfrage. Genau deshalb verschwindet GoGreen. Der Nachfolger stützt sich auf Elektrofahrzeuge, alternative Lkw-Antriebe, eigene Güterzüge und Photovoltaik - also auf Maßnahmen, die im eigenen Netz messbar sind.

Was ab 1. September für Privatkunden gilt

GoGreen Plus ist bei nationalen und internationalen Privatkundenpaketen für den deutschen Transportabschnitt automatisch enthalten. Nach DHL-Angaben betrifft das über 110 Millionen Sendungen. Vorher war GoGreen eine Option, die man bewusst dazubuchen musste - künftig ist die Reduktion Bestandteil des Standardprodukts.

Der deutsche Paketmarkt in Zahlen

2025 wurden in Deutschland 4,37 Milliarden Sendungen befördert, ein Plus von 1,8 Prozent oder rund 80 Millionen Sendungen gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus der KEP-Studie 2026 des BPEX hervor. Der Branchenumsatz stieg um 2,6 Prozent auf rund 28,4 Milliarden Euro. Bis 2030 rechnet die Studie mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,1 Prozent auf dann etwa 5,08 Milliarden Sendungen.

Interessant ist die Verteilung dahinter. Das Geschäftskundenvolumen sank 2025 leicht um 0,3 Prozent, das B2C-Geschäft wuchs wegen der Konsumzurückhaltung nur um 0,6 Prozent. Kräftig zugelegt hat allein das C2C-Segment, also Sendungen zwischen Privatpersonen, mit einem zweistelligen Plus. Der Wachstumstreiber ist damit ausgerechnet das Segment, in dem der Absender selbst über Verpackung, Zustelladresse und Versandzeitpunkt entscheidet - also über genau die Stellschrauben, die den Fußabdruck bestimmen.

Was auf der letzten Meile tatsächlich fährt

Deutsche Post und DHL setzen auf der letzten Meile nach eigenen Angaben rund 38.500 Elektrofahrzeuge ein. Im Fern- und Regionalverkehr kommen 570 Bio-CNG-Lkw, 39 Elektro-Lkw und acht eigene Güterzüge täglich dazu. In etwa 62 Prozent der Zustellbezirke wird bereits emissionsfrei zugestellt - mit Streetscootern, E-Trikes, E-Bikes oder zu Fuß.

Die Größenordnung ist der Punkt: Ein Netz, das zu knapp zwei Dritteln elektrisch oder muskelbetrieben zustellt, kann eine Minderungsaussage belegen. Ein Netz, das Zertifikate kauft, kann das ab Herbst nicht mehr. Wer als Versender vergleicht, sollte deshalb künftig weniger auf grüne Logos achten als auf die Frage, was im eigenen Zustellgebiet tatsächlich vorfährt.

Wo die Emissionen wirklich entstehen

Das Umweltbundesamt hat für seine Roadmap zur Ökologisierung des Onlinehandels drei Bereiche getrennt untersucht: letzte Meile, Versandverpackung und Retouren. Je nach Einkauf lassen sich demnach zwischen 18 und 98 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen, ohne dass ein einziges Paket weniger verschickt wird.

Die Einzelwerte sind konkret. Auf der letzten Meile ließen sich bis zu 80 Prozent der Emissionen je Lieferung durch Elektrifizierung und Micro-Hub-Konzepte mit Lastenrädern sparen. Bei den Zustellungen an Paketshops und Stationen soll die Quote von 13 auf 40 Prozent steigen, was mindestens 20 Prozent Einsparung pro Einkauf bringt. Die Rücksendequote soll unter 10 Prozent fallen, ein Rückgang um rund 40 Prozent. Und knapp ein Drittel der Produkte könnte bis 2030 ganz ohne zusätzliche Versandverpackung auskommen.

Express kostet mehr als nur Geld

Sofort- und Expresslieferungen verursachen laut Umweltbundesamt mindestens 60 Prozent mehr Emissionen als dieselbe Sendung in der Standardlaufzeit, weil sie sich nicht mit anderen Touren bündeln lassen. Für nahezu jede private Sendung ist die Standardvariante nicht nur günstiger, sondern auch deutlich sauberer.

Die Zustelladresse ist der größte Hebel

Die gebündelte Zustellung an einen Paketshop verursacht im Schnitt rund 25 Prozent weniger CO2 als die Zustellung an die private Haustür. Der Zusteller fährt eine Adresse an statt dreißig, und niemand steht vor einer verschlossenen Tür. Ginge jedes Paket an einen Abholpunkt, wäre nach Berechnungen des Umweltbundesamts nur noch etwa ein Viertel der heute unterwegs befindlichen Zustellfahrzeuge nötig.

Die Infrastruktur ist dafür längst da: DHL betreibt in Deutschland mehr als 18.500 Packstationen und Poststationen, dazu kommen Filialen und Paketshops; Hermes stützt sich auf rund 17.000 PaketShops. Welche Stelle für Sie in Frage kommt und wie lange ein Paket dort liegt, steht im Beitrag zu Paketshop und Packstation.

Verpackung: kleiner packen senkt Preis und Emissionen

Beim internationalen Versand und bei vielen Sperrguttarifen zählt nicht das reale Gewicht, sondern das Volumengewicht: Länge mal Breite mal Höhe in Zentimetern, geteilt durch 5.000. Ein Karton mit 60 mal 40 mal 40 Zentimetern wiegt vielleicht 3 Kilogramm, kommt volumetrisch aber auf 19,2 Kilogramm - und genau danach wird abgerechnet. Luft im Paket kostet doppelt: Sie treibt den Preis und belegt Laderaum, der sonst eine weitere Sendung aufnehmen könnte. Wie Sie kompakt und trotzdem bruchsicher packen, zeigt der Beitrag Paket richtig verpacken.

Fünf Entscheidungen beim nächsten Versand

  1. 1
    Packstation oder Paketshop als Zieladresse wählen - spart im Schnitt rund ein Viertel der Emissionen gegenüber der Haustürzustellung und verhindert erfolglose Zustellversuche.
  2. 2
    Standardlaufzeit statt Express buchen, wenn es nicht wirklich eilt - Expresssendungen lassen sich nicht bündeln.
  3. 3
    Den Karton auf die Größe des Inhalts bringen - weniger Volumen bedeutet niedrigeres Volumengewicht, geringeres Porto und mehr Sendungen pro Fahrzeug.
  4. 4
    Retouren vermeiden statt optimieren - jede Rücksendung verdoppelt die Transportstrecke. Bei Kleidung hilft ein Blick in die Größentabelle mehr als die Auswahlbestellung, wie der Beitrag zur Retoure zeigt.
  5. 5
    Beim Anbietervergleich auf die Begründung achten - ab Ende September muss zwischen eigener Reduktion und zugekaufter Kompensation unterschieden werden. Wer heute schon in Ihrem Zustellgebiet elektrisch fährt, liefert die belastbarere Aussage.

Beim Porto und bei den Emissionen zeigt sich dieselbe Logik: Beides sinkt, wenn ein Paket klein ist, in einem Zug ankommt und nicht zurückgeht. Wie sich Preis und Laufzeit für Ihre konkrete Sendung verhalten, rechnen Sie im Tarifrechner durch.

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