Nachnahme in Deutschland – Kosten, Ablauf und Alternativen

DHL berechnet 8,99 Euro, buchbar nur online. Was Nachnahme leistet, warum sie den Käufer nicht schützt und welche Alternativen meist günstiger sind.

Nachnahme gibt es in Deutschland noch - anders als bei vielen Nachbarn. DHL berechnet Privatkunden dafür 8,99 Euro zusätzlich zum Paketpreis, der Höchstbetrag liegt bei 3.500 Euro. Zwei Einschränkungen sollte man vorher kennen: Buchbar ist der Service ausschließlich über die Online-Frankierung, am Filialschalter nicht. Und die Brief-Nachnahme wurde zum 31. Dezember 2024 komplett eingestellt.

Was Nachnahme leistet - und was nicht

Der Zusteller kassiert den Betrag bei der Übergabe und leitet ihn an den Absender weiter. Der Käufer zahlt erst, wenn das Paket da ist, der Verkäufer gibt die Ware erst aus der Hand, wenn das Geld fließt. Für Geschäfte zwischen Fremden war das jahrzehntelang die Standardlösung.

Der Schutz ist allerdings einseitig, und daran scheitern die meisten Erwartungen.

Nachnahme schützt den Verkäufer, nicht den Käufer

Bezahlt wird gegen Übergabe des Pakets, nicht gegen Prüfung des Inhalts. Sie dürfen das Paket vor der Zahlung nicht öffnen. Ist der Karton leer oder steckt etwas anderes darin als vereinbart, haben Sie bereits bezahlt und müssen dem Geld hinterherlaufen - zivilrechtlich gegen einen Verkäufer, den Sie womöglich nur unter einem Nutzernamen kennen. Als Absicherung gegen unseriöse Anbieter taugt Nachnahme deshalb nicht.

Die Kosten im Verhältnis

8,99 Euro sind kein Nebenposten. Bei einem Paket bis 5 Kilogramm für 7,69 Euro kostet die Nachnahme mehr als der Versand selbst - zusammen 16,68 Euro. Bei einem Verkauf um 40 Euro gehen damit über 40 Prozent des Erlöses für die Abwicklung drauf.

Das Übermittlungsentgelt, das früher zusätzlich beim Empfänger anfiel, ist seit März 2018 entfallen. Der Empfänger zahlt also den Nachnahmebetrag, aber keine separate Gebühr obendrauf. Die 8,99 Euro trägt der Absender.

Wann sich Nachnahme trotzdem lohnt

  • Bei höheren Beträgen. Ab etwa 200 Euro Warenwert fällt die Gebühr prozentual kaum noch ins Gewicht, während das Ausfallrisiko real bleibt.
  • Wenn der Käufer keine Vorkasse leisten will und keine Plattform mit Käuferschutz dazwischensteht - etwa bei einer direkten Vereinbarung außerhalb eines Marktplatzes.
  • Bei gewerblichem Versand an Neukunden ohne Bonitätsprüfung, wo Rechnungskauf zu riskant und Vorkasse für den Kunden abschreckend wäre.

Die Alternativen, die meistens besser sind

  • Käuferschutz der Plattform - bei Verkäufen über Marktplätze mit integrierter Zahlungsabwicklung übernimmt die Plattform die Treuhandfunktion, die früher der Zusteller hatte. Das Geld wird erst freigegeben, wenn die Ware angekommen ist. Das ist der einzige Weg, der beide Seiten absichert - und meist deutlich günstiger als 8,99 Euro.
  • Vorkasse per Überweisung - kostet nichts. Für den Käufer ist es ein Vertrauensvorschuss, deshalb funktioniert es vor allem bei kleineren Beträgen oder mit Bewertungshistorie.
  • Übergabe gegen Bargeld vor Ort - bei regionalen Verkäufen die schnellste und günstigste Lösung, ganz ohne Versandrisiko.
  • Paket mit Sendungsverfolgung statt Päckchen - wer in Vorleistung geht, braucht vor allem einen Zustellnachweis. Der belegt im Streitfall, dass geliefert wurde, und kostet nur einen Euro Aufpreis gegenüber dem Päckchen.

So buchen Sie Nachnahme bei DHL

  1. 1
    Online frankieren - über dhl.de oder die App. Am Schalter ist Nachnahme nicht buchbar, ein Nachtragen vor Ort funktioniert nicht.
  2. 2
    Nachnahmebetrag und Bankverbindung eintragen - auf dieses Konto überweist DHL den eingezogenen Betrag. Prüfen Sie die IBAN sorgfältig, eine Korrektur nach dem Versand ist aufwendig.
  3. 3
    Den Empfänger vorab informieren - wer nicht mit einer Zahlung rechnet, hat kein Geld bereit und nimmt die Sendung nicht an. Dann geht sie zurück, und die Gebühr ist trotzdem weg.
  4. 4
    Beleg und Sendungsnummer aufheben - bis das Geld auf dem Konto ist. Erst dann ist der Vorgang abgeschlossen.

Nachnahmesendungen gehen nicht in die Packstation

An Automaten lässt sich kein Bargeld übergeben und keine Zahlung abwickeln. Nachnahmesendungen landen deshalb immer in einer bedienten Stelle oder werden an der Haustür übergeben. Wer den Empfänger auf eine Packstation verweist, blockiert die Zustellung. Dasselbe gilt für Zollsendungen, bei denen Abgaben fällig werden.

Wenn Sie eine Nachnahmesendung erhalten

Prüfen Sie den Betrag vorab - er steht in der Benachrichtigung oder in der Sendungsverfolgung. Weicht er von der Bestellung ab, klären Sie das mit dem Absender, bevor Sie zahlen. Nach der Zahlung ist die Verhandlungsposition deutlich schlechter. Solange Sie nicht gezahlt haben, können Sie die Annahme verweigern und die Sendung zurückgehen lassen; das ist der einzige Moment, in dem Sie noch Hebel haben.

Heben Sie den Zahlungsbeleg auf. Er ist der einzige Nachweis darüber, dass und wie viel Sie bezahlt haben, und ohne ihn wird eine spätere Rückforderung schwierig.

Nicht verwechseln sollten Sie den Nachnahmebetrag mit Einfuhrabgaben. Bei Sendungen aus Drittländern kassiert der Zusteller Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und ein eigenes Bearbeitungsentgelt - das ist keine Nachnahme, sondern eine Abgabenvorstreckung. Was dabei anfällt, steht im Beitrag zu den Zollgebühren.

Welcher Anbieter für Ihre Sendung am günstigsten ist, zeigt der Tarifrechner. Welche Haftung ohne Nachnahme greift, klärt der Beitrag zu Versicherung und Haftung.

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